Dieses Modell aus der Transaktionsanalyse beschreibt ein Beziehungsmuster zwischen (meist) drei Personen, die eine und/oder nacheinander mehrere so genannte „Rollen“ einnehmen. Die Rollen in diesem „Spiel“ sind:
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Opfer
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Täter/Verfolger
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Retter
Im Bild sieht das Dramadreieck so aus:

Bildquelle: Wikipedia
Das Besondere an diesem Modell ist, dass in ihm beschrieben wird, in welchem Zusammenhang diese einzelnen Rollen stehen und wie sie nicht selten abwechselnd eingenommen werden. D. h., ein ursprüngliches „Opfer“ wechselt in der Rolle des Täters und macht dabei den „Retter“ zum Opfer.
Die „Rolle“ ist innerhalb dieses Modells das Verhalten einer Person, das heißt, die Personen sind nicht die Rollen. Sich dies zu verdeutlichen, ist wichtig, um mit diesem Modell arbeiten zu können bzw. um mit seiner Anwendung aus dem Teufelskreis des „Spieles“ herauszukommen, dessen Folgen nicht selten sehr dramatisch sind. Es ermöglicht einen Blick auf eigenes und eine Einschätzung des Verhaltens der anderen Beteiligten, was der Grund dafür ist, dass dieses Modell in der Ausbildung von professionellen Helfern und in der Supervision eingesetzt wird. Die Einfachheit des Modells ermöglicht, es auch im Alltag einzusetzen, sofern die Bereitschaft besteht, eigenes Verhalten zu hinterfragen oder zu verändern.
Damit dieser Ausflug in die Transaktionsanalyse nicht gar zu trocken und theoretisch bleibt, möchte ich einige Beispiele anführen.
Diejenigen, die mehr als ein eigenes Kind oder selbst mindestens ein Geschwister haben, werden vermutlich eine ähnliche Situation kennen: Die jüngere Schwester nimmt dem älteren Bruder sein Spielzeug weg, er holt es sich wieder, sie nimmt es ihm wieder weg etc. - bis dem Jungen der Geduldsfaden reißt und er sein Spielzeug an sich nimmt. Schwesterchen brüllt daraufhin wie am Spieß. Das Brüllen ruft die Mutter auf den Plan. Für Mutter ist die Situation eindeutig: Der Ältere hat der Jüngeren etwas getan. So wird die Schwester getröstet und der Junge wird bestraft. Die Rollen sind klar verteilt: Die Schwester ist das Opfer, der Bruder der Täter und die Mutter rettet die Schwester.
Wenn sich so etwas über Jahre hinweg laufend wiederholt, gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, welche Rollen zukünftig im Leben bevorzugt eingenommen werden. Das Mädchen „perfektioniert“ die Rolle des Opfers (wobei sie nicht selten die eigentliche Täterin ist) und der Junge wird zum Täter, der sich eigentlich als Opfer fühlt. Beide können in allen genannten Rollen auftreten – wobei zu beobachten ist, dass sich Opfer sehr zu der Rolle des Retters hingezogen fühlen.
Recht bekannt sein dürften auch die zahlreichen Ehepaare, die sich ihrer bevorzugten Rolle entsprechende Partner suchen. Da verliebt sich eine Frau in einen Alkoholiker und versucht, ihn als Retterin mit ihrer Liebe „trocken zu legen“, was natürlich nicht funktioniert. Nun kann sie in die gewohnte Rolle als Opfer gehen und sich über das beklagen, was dieser Mann ihr zumutet. In aller Regel tauchen nun hilfreiche Retter auf, die die bedauernswerte Frau zu schützen versuchen. Der Ehemann, der das Spiel wie alle anderen auch nicht durchschaut, kann gar nichts anderes tun, als sich entsprechend der ihm stillschweigend zugeschriebenen Rolle als Täter zu verhalten. Und so nimmt das Drama seinen Lauf und es kann Jahre andauern, wobei sich der Kreis immer schneller dreht und bald keiner mehr ein noch aus weiß. Man „verbeißt“ sich ineinander und es kommt zu immer neuen Eskalationen, zu immer schneller wechselnden Rollen. Es ist ja auch nicht gerade selten, dass zwei sich schlagen, ein Dritter zu helfen versucht und dann dumm da steht, weil Täter und Opfer sich plötzlich verbünden und auf den Dritten eindreschen.
Dennoch gibt es einen Ausweg. Der heißt: Heraus aus dem Dreieck, heraus aus der angenommenen Rolle. Das „Wie“ beschreibe ich in einem weiteren Artikel.
Mila