Mai 17

Schlanke Kleidung bringt mehr Selbstvertrauen

Nehmen Sie ein wenig ab, werden Sie etwas kräftiger, und Ihr ganzes Leben wird sich verändern. Sie werden Dinge schaffen, die Sie vorher nicht für möglich gehalten haben: das ganze Land bereisen; im Fernsehen auftreten; ein Buch schreiben; Ihre eigene Fernsehshow haben … realistisch? Nun, realistisch oder nicht – aber genau das möchte ich nach meinem Gefängnisleben tun.

Leslie (eine meiner Bekannten) und ich trafen uns als ich noch frei draußen rumlaufen konnte. Wenn Sie auf der Welt zwei Personen suchen sollten, die einander so unähnlich sind wie Tag und Nacht, dann würden Leslie und ich das Ende Ihrer Suche bedeuten. Sie ist ein Kleinstadtmädchen aus dem Süden. Und sie hat ihr ganzes Leben gelernt, kein Aufsehen zu erregen. Und immer nett zu sein. Lesen Sie weiter

Mai 13

Freizeit im Gefängnis

Freizeit — das bedeutet dass wir uns hier während einer festgelegten Zeit innerhalb unseres Hauses frei bewegen können. Während dieser Zeit sind dann die Zellen geöffnet. Hier in der Anstalt ist das wochentags nach der Arbeit von 15:00 Uhr bis 21:00 Uhr. Ausgenommen ist der Montag, da geht die Freizeit nur bis halb sieben abends. Ausser Wochenenden ist es so, dass wir dann von 13 Uhr bis 16:30 Uhr die Zellen auf haben. In diese Zeit fällt auch die tägliche Freistunde, also die Bewegung im Freien. Da kan man dann unten im Hof seine Runden drehen oder Sport machen. Die Freizeitregelung ist hier ja schon recht gut im Vergleich zu anderen Gefängnissen. Von Mitgefangenen weiss ich, dass es nicht überall so zugeht. Das hat hier mit dem Anstaltsleiter zu tun, der als liberal gilt und der das gegen den Widerstand des Aufsichtspersonal durchgesetzt hat. Denn Beamte wollen ja am liebsten, dass die Gefangenen ruhig sind, das macht am wenigsten Arbeit.

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Mai 11

Haftbedingungen vor dem Krieg

Am 7. November 1937 erschien auf den ersten Seiten vieler „völkischer“ Zeitungen ein Leitartikel zum Thema „Verbrechensbekämpfung“. Autor war der Chef der deutschen Ordnungspolizei und Zuträger Heinrich Himmlers. Unter der rhetorischen Fragestellung „Was ist human?“ rechtfertigte er das harte Durchgreifen von Polizei und Justiz. In jüngster Vergangenheit habe die liberale Behandlung eines Verbrechers zu einem krassen Missverhältnis in der Kosten-Nutzen-Relation der Strafverfolgung geführt.

Neu war, daß die Demütigung der Gefangenen, bislang unwillkürliches Produkt der Gewaltstrukturen des Vollzugs, nun zum Programm erhoben wurde. Dem diente eine allgemeine Verschärfung der Disziplinarstrafen. Der Arrest wurde jetzt beispielsweise „unter Entziehung des Bettlagers“ angeordnet. 1936 konnte durch den Einbau einer Siemens-Telefonanlage, die den Zellentrakt unmittelbar mit der Zentrale verband, die Überwachung der Gefangenen entscheidend verbessert werden. Lesen Sie weiter

Mai 10

Der Dobermann und die Milch – eine nicht immer funktionierende Konstruktion

In einem Vortrag, der auf seinem Buch “Wie wirklich ist die Wirklichkeit” beruht, bringt Paul Watzlawick etliche Beispiele dafür, wie Menschen und höhere Tiere ihre Wirklichkeit “konstruieren”, um sich nicht in Sinnlosigkeit und der daraus resultierenden Verwirrung zu verlieren. Das heißt, sie setzen etwas zueinander in Beziehung, was nicht zwangsläufig einen Bezug zueinander haben muss! Als ein Beispiel für diese “Konstruktionen” berichtet Watzlawick von einem Dobermann, der eine Leidenschaft für Milch entwickelte.

Der Halter des Dobermanns ließ den Hund, der die Nacht im Haus verbrachte, jeden Morgen in den Garten laufen, damit er dort sein “Geschäft” verrichten könne. Jeden Morgen füllte der Halter in der Zwischenzeit den Napf mit Milch. Wenn der Hund dann ins Haus zurückkehrte, lief er zu seinem Napf und trank mit Begeisterung seine Milch. Eines Morgens war keine Milch mehr da. Der Hund lief wie gewohnt zu seinem Napf, stutzte. Dann lief er wieder in den Garten, presste aus Leibeskräften drei Tropfen aus seiner leeren Blase und lief wieder ins Haus und zu seinem Napf. Nur, es war trotzdem keine Milch da. Lesen Sie weiter

März 14

Herz brennt

Hm, ist das wirklich so? Kann man wirklich nichts tun? Ja und Nein.

Der erste Schritt des Tuns ist das Nichttun. Und zwar in dem Sinne, nicht zu versuchen, die Trauer, den Schmerz, den Groll und was da alles noch in einem tobt, wegmachen zu wollen. Also nicht unterdrücken, nicht wegdrücken, sondern fühlen.

Dieses Dalassen, dieses Fühlen scheint einem zunächst unerträglich, was der Grund ist, zu versuchen, diesen Zustand zu vertreiben, zu ignorieren, zu verdrängen, wegzureden, mit Aktivitäten jeder Art regelrecht zu erschlagen. Lässt man sich aber tatsächlich darauf ein, so wird man feststellen, dass der Zustand nicht unendlich und nicht von unbegrenzter Dauer ist. Vielleicht erträgt man ihn fünf bis zehn Minuten und stellt fest, dass er sich schon innerhalb dieser kurzen Zeitspanne verändert. Vielleicht verändert er sich auch erst nach einer Stunde oder später – aber das gibt Anlass zur Hoffnung und vielleicht entstehen daraus einige Erkenntnisse: Lesen Sie weiter

März 14

Helfen? Ja, bitte!

… aber nicht um jeden Preis. Im Laufe der mehr als vier Jahre, in denen ich mich in unterschiedlichen Foren für Angehörige Inhaftierter bewegte, fiel mir auf, dass viele Frauen dazu neigen, sich für den inhaftierten Partner, Sohn, Bruder, Freund aufzugeben. Ein Verhalten, das mir auch an mir selbst auffiel und das mir nicht unbekannt war.

Bekannt geworden ist dieses Verhaltensmuster Ende der 70er Jahre als „Helfersyndrom“. Es bezog sich ursprünglich auf professionelle Helferberufe und auf die Personen, die auf Grund ihrer Persönlichkeitsstruktur dazu neigen, anderen ohne Rücksicht auf das eigene Befinden zu helfen. Ursache dieses Verhaltens ist meist ein gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl und der oft nicht bewusste Wunsch, dieses mittels „guter Taten“ aufwerten zu wollen. Man hilft, um Anerkennung zu erhalten, wahrgenommen zu werden als besonders wertvoller Mensch. Übersehen wird dabei leider die eigene innere Bedürftigkeit, die dazu verleitet, geradezu süchtig danach zu werden, anderen zu helfen. Der „Geholfene“ wird dabei nicht selten überrollt, seine Wünsche, Bedürfnisse oder auch Aussagen werden ignoriert. Ihm muss geholfen werden um jeden Preis. Um den Preis, dass sein Hilfebedarf falsch eingeschätzt wird, um den Preis, dass der Helfer sich über seinen Hilfsaktionen selbst vergisst, um den Preis, dass die Art und Weise der Hilfe mehr schadet als nützt.

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