von Andrea » Sa 31. Jul 2010, 19:52
Hallo, Angel,
was soll ich sagen? Ich habe meinen "Brieffreund" geheiratet. Am Donnerstag hatten wir unseren zweiten Hochzeitstag und ich habe nicht eine Sekunde seit unserem Kennenlernen bereut. Keine einzige!
Die Geschichte hier von Anfang an zu erzählen, wäre zu lang. Ich lebte damals in Bayern und er hier in NRW. Uns trennten also auch über 600 Km. Nach zwei Jahres pendeln habe ich dort unten meine Zelte abgebrochen und lebe nun im Herzen des Potts. Ich habe gewiss verdammt viel dort unten aufgegeben. Nicht für ihn, für UNS! Meinem Kind habe ich das Zuhause genommen. Es war bestimmt nicht einfach. Heute sind wir alle drei glücklich, dass wir, wenn auch noch getrennt, aber doch irgendwie zusammen sind. Meine Tochter würde nicht mehr nach Bayern wollen, nur noch besuchsweise.
Angel, ich habe nichts, gar nichts bereut!
Eines ist klar, schreiben tun die alle gut und, dass sie vieles verschönern das sollte dir auch immer im Hinterkopf sein. Dort drinnen leben sie ein anderes Leben. Sie wollen da wieder raus. Es gibt ganz sicher auch die anderen, denen dafür jedes Mittel Recht ist. Ohne Frage, die gibt es. Das rauszufinden, ist nun deine Aufgabe und das kannst du nur, wenn ihr euch trefft, miteinander redet, euch weiter schreibt usw.
Aber, eines ist auch ganz klar. Eine gut funktionierende Beziehung ist heute nicht mehr ausreichend für eine positive Sozialprognose. Das sind reale Erfahrungen der letzten vier Jahre die ich auch schriftlich habe. Und eines kann ich dir auch versichern, ich bin durch die Hölle gegangen, bis wir an dem Punkt waren, wo wir heute sind. Es ist ein verdammt harter Weg.
Ein paar Worte zu @Fee:
Seit ich meinem Mann kenne, also vom ersten Tag an vor etwas mehr als vier Jahren, schreiben wir uns täglich einen, manchmal sogar zwei, Briefe. Auf diese Art haben wir uns besser kennengelernt, als wenn wir uns draußen getroffen hätten. Wir konnten uns Fragen stellen ohne uns in die Augen zu sehen. So wurde die eine oder andere Frage gestellt, die man sicher nicht fragt, wenn man sich gegenüber sitzt. Wir brauchten keine Lügen, denn wir hatten immer genügend Zeit um nachzudenken. Ich erlebe zum ersten mal eine grundehrliche Beziehung.
Auch bei uns war es Zufall, dass wir aufeinander trafen. Er wollte damals wirklich nur jemanden zu "quatschen". Mein Mann hat eine Familie, die ihn besucht, er ist nicht allein. Außerdem war er zu damaligen Zeitpunkt noch verheiratet. Eine andere Frau wollte er schon gar nicht. Und doch ist es alles ganz anders gekommen.
Angel, um herauszufinden, was ich beide wirklich verbindet braucht es eine Zeit. Das erste Treffen wird freilich wunderschön werden. Ihr werdet ängstlich aufeinander zugehen und es wird alles ganz anders kommen, wie ihr es euch vor am Telefon oder in euren Briefen ausgemalt habt. Überstürze nichts.
Ich weiß, es kann funktionieren. Ich lebe dieses Leben, diese Liebe. Es ist aber nicht die Regel.
Ich wünsche dir viel Glück, Andrea!
In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher,
der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat.
Carl von Ossietzky
