Mai 13

Freizeit im Gefängnis

Freizeit — das bedeutet dass wir uns hier während einer festgelegten Zeit innerhalb unseres Hauses frei bewegen können. Während dieser Zeit sind dann die Zellen geöffnet. Hier in der Anstalt ist das wochentags nach der Arbeit von 15:00 Uhr bis 21:00 Uhr. Ausgenommen ist der Montag, da geht die Freizeit nur bis halb sieben abends. Ausser Wochenenden ist es so, dass wir dann von 13 Uhr bis 16:30 Uhr die Zellen auf haben. In diese Zeit fällt auch die tägliche Freistunde, also die Bewegung im Freien. Da kan man dann unten im Hof seine Runden drehen oder Sport machen. Die Freizeitregelung ist hier ja schon recht gut im Vergleich zu anderen Gefängnissen. Von Mitgefangenen weiss ich, dass es nicht überall so zugeht. Das hat hier mit dem Anstaltsleiter zu tun, der als liberal gilt und der das gegen den Widerstand des Aufsichtspersonal durchgesetzt hat. Denn Beamte wollen ja am liebsten, dass die Gefangenen ruhig sind, das macht am wenigsten Arbeit.

Jedenfalls ist das ganz gut mit der offenen Zellentür. Ich selbst bleibe dennoch oft auf meiner Zelle. Dann lese ich, schreibe meiner Frau oder bastle auch mal was. Während der Freizeit gibt es verschiedene Gruppen und Angebote hier im Ihm: Theater, kirchliche Gesprächskreise, dann verschiedene Diskussionsgruppen, Selbsterfahrung, Ausländergruppen, aber auch Bastei-, Zeichen- und Musikangebot. Daneben gibt es auch noch ein paar Kurse Deutsch für Ausländer. Der Nachteil der Gruppen ist aber, dass sie mal stattfinden, mal nicht… das ist meistens eine recht unsichere Sache, die Gruppenmitglieder wechseln oft. Am beliebtesten sind die Sportgruppen: Fussball, Tischtennis, Kraftsport, Laufen. Hier gibt es richtige Profis, die üben jeden Tag. Einmal im Jahr soll sogar ein grosses Sportfest statt finden, ich glaube, es ist irgendwann im Juli.

Die meisten Leute hier — so sehe ich es – hängen aber eher rum. Da gibt es verschiedene Cliquen, die sich abschotten, da kommt nicht jeder rein: die Ausländer, die Jüngeren, die Älteren, die Drogenleute, die Alkoholiker und andere ulkig gekleidete Typen. Da gibt es teilweise untereinander Rivalitäten, Kämpfe. Ich beteilige mich daran nicht. Mir fehlt der Durchblick, ausserdem habe ich Angst, ja Angst, irgenwo reingezogen zu werden. Ich will meinen Knast abmachen und schnellstens wieder zu meiner Familie, nichts sonst. Andere, die schon lange Jahre im Knast waren, sehen das anders. Die kennen sich ja schon, treffen sich hier wieder.

Die meisten Leute sind hier in ihrer Freizeit sehr träge und passiv, sie ziehen sich kaum ordentlich an. Entweder spielen sie stundenlang Skat oder glotzen unten im Gemeinschaftsraum Fernsehshopping. Ich kann mich noch gut an die vielen Werbungen von den Modemachern wie Zara, H&M oder auch Takko erinnern. Da wir immer das Abendprogramm von tags zuvor gezeigt und da sitzen die meisten. Gruppenräume gibt es auf unserem Haus nicht, so hängen die meisten im Lernraum oder auf den Gängen herum … Richtig geht einfach nichts. Während der Freizeit — aber nicht nur dort — wird sehr viel geraucht und Kaffee getrunken, Tauschgeschäfte gemacht und das übliche Handeln hier im Gefängnis. Du kommt schon vor, daß drogenabhängige Leute einem eine Uhr anbieten, um sieh Stoff zu kaufen, denn es gibt den hier natürlich trotz aller Kontrollen, Er kommt auf verschiedenen Wegen rein, jedenfalls ist er da. Während der Freizeit ist auch einmal wöchentlich Wäschetausch erlaubt.




Veröffentlicht13. Mai 2016 von admin in Kategorie "Uncategorized

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